WhatsApp, Telegram, Threema und Co. im Privatsphäre-Check: Wo chatten Sie sicher und privat?

WhatsApp, Telegram, Threema und Co. im Privatsphäre-Check: Wo chatten Sie sicher und privat?

WhatsApp, Telegram, BBM, Snapchat, Threema – wer auf den Smartphone chattet, hat eine große App-Auswahl. Doch welche Instant-Messaging-App schützt die Privatsphäre am besten? Wir haben verglichen.

Privatsphäre ist bei Messaging-Apps groß in Mode. Allerdings ist die bloße Verschlüsselung von Nachrichten nicht genug. Wenn nämlich jeder, der Zugriff auf das eigene Handy oder die PIN-Nummer hat, auch das Profilfoto sehen oder die Anwendung ohne zusätzliche Hindernisse öffnen kann, sind auch die Daten gefährdet.

Für unseren Vergleich haben wir die verschiedene Instant-Messaging-Apps ausgesucht, die es für Android und iPhone gibt, und dem Chat-Weltmeister WhatsApp gegenübergestellt.

Was haben wir getestet?

Für den Vergleich haben wir uns folgende Funktionen der Apps angeschaut:

  • Empfangsbestätigung: Gibt die App an, ob die Nachricht gelesen oder kopiert wurde? Wichtig zur Kontrolle, wer was gesehen hat.
  • Verbergen von persönlichen Daten: Kann man ausblenden, wann man das letzte Mal online war? Kann man das eigene Foto unsichtbar machen oder die Nachricht „schreibt“ unterdrücken? Besser man hat über solche Dinge selbst die Kontrolle.
  • Verknüpfung mit Telefon und E-Mail-Adresse: Kann man den Chat-Account von der eigenen Telefonnummer oder E-Mail-Adresse trennen? Falls nicht, erscheint man vielleicht ungefragt in vielen Kontaktlisten.
  • Zugriffsschutz auf die App: Aus Bequemlichkeit nutzen viele das Telefon, ohne es zu blockieren. So kann aber jeder ohne Probleme auf die Chats zugreifen. Ist die App also zusätzlich gesichert?
  • Download von Multimedia-Dateien: Das Herunterladen von nicht gewünschten Dateien kann ein Sicherheitsrisiko – auch für die eigene Privatsphäre – darstellen. Kann der automatische Download deaktiviert werden?
  • Sichere Chats und Selbstzerstörung: Verfügt die App über ein leistungsstarkes Verschlüsselungs- und Selbstzerstörungssystem von Nachrichten? Ist dieses System zuverlässig?
  • Blockieren von unbekannten Nummern: Kann man verhindern, dass unbekannte Personen uns kontaktieren? Gibt es außer dem klassischen Blockieren auch einen Filter für solche unbekannten Personen?
  • Geheimhaltung von Benachrichtungen: Können die Benachrichtungen komplett geheim gehalten und so die Privatspäre gewahrt werden?

WhatsApp: beliebt, aber unsicher

WhatsApp ist die beliebteste Messaging-App. Die App bekam in letzter Zeit einige neue Funktionen. So kann man in der neuesten Version beispielsweise verbergen, wann man zum letzten Mal online war, was vorher nur mit Hilfe von Tricks oder bei WhatsApp Plus möglich war. Außerdem kann man das Foto oder den Status verbergen.

WhatsApp Status

Die Empfangsbestätigungen sind jedoch dieselben wie eh und je: Verschickt man eine Nachricht mit WhatsApp, zeigt ein grünes Häkchen an, dass die Nachricht das Telefon verlassen hat, zwei Häkchen, dass die Nachricht erfolgreich überbracht wurde. Ob die Nachricht jedoch tatsächlich gelesen wurde, kann man nicht mit Sicherheit wissen, was schon zu dem ein oder anderen Missverständnis geführt hat.

WhatsApp Häkchen

Statt eines User-Accounts benutzt WhatsApp die Telefonnummer als Kennung: Wer also die Telefonnummer kennt, kann diesen Kontakt sofort anschreiben. Unbekannte Nummern können nicht blockiert werden.

WhatsApp Lock

Wer WhatsApp blockieren will, muss sich Zusatzsoftware wie WhatsApp Lock herunterladen.

WhatsApp verfügt auch über keinerlei Zugriffsschutz: Wer zum Telefon greift und die App öffnet, kann auch alle Chats lesen. Ändern kann man dies nur durch eine nicht-offizielle Zusatzsoftware für Android: Lock for WhatsApp. Auch sichere, mit einem Verschlüsselungscode geschützte, Chats gibt es nicht.

SnapChat: Datenschutz zum „Spielen“, aber nicht viel mehr

Die App Snapchat erfreut sich gerade unter jungen Leuten großer Beliebtheit. Diese nutzen die App vor allem, um Fotos und Videos zu teilen, die sich wenige Sekunden nach dem Versand selbst zerstören. Obwohl Sicherheit bei Snapchat groß geschrieben wird, gibt es doch in dieser Hinsicht ein paar Probleme.

Snapchat Nummer

Die Verknüpfung mit dem Telefon oder der E-Mail-Adresse ist zwar optional, Freunde zu finden geht jedoch so am schnellsten. Zudem kann man bei Snapchat die persönlichen Daten nicht vor denjenigen verbergen, in deren Kontaktliste man selbst auftaucht. Den Empfang von Nachrichten kann man jedoch glücklicherweise auf Freunde beschränken.

Snapchat Liste

Wer ein Foto oder Video versendet, erfährt nicht nur, ob es verschickt wurde, sondern auch ob es gesehen oder ein Screenshot gemacht wurde, ein wahres Unicum unter den Messaging-Apps. So erfolgt auch das Herunterladen bei Snapchat manuell und nur vorübergehend, eine Vorschau ist aber auch hier nicht möglich.Snapchat Kontakte

Apps wie SnapGrab können in Snapchat „gelöschte“ Fotos wiederherstellen.

Theoretisch bleibt nichts im Telefonspeicher zurück, das ist allerdings nicht ganz richtig: Auch wenn bei Snapchat die Nachrichten ein paar Sekunden nach ihrem Lesen blockiert werden, kann man diese relativ einfach wiederherstellen. Ein nicht zu unterschätzender Fehler, der noch immer auf eine Lösung wartet.

Telegram: wie WhatsApp, aber mit Geheimchats

Telegram ist das Anti-WhatsApp, eine sichere Messaging-App aus dem Russland. Auch wenn das Verschlüsselungssystem kritisiert wurde, konnte die App bisher von niemandem geknackt werden. Ein Pluspunkt von Telegram ist hierbei, dass es sich hinsichtlich der grafischen Oberfläche kaum von WhatsApp unterscheidet.

Telegram Whatsapp Vergleich

Die Ähnlichkeiten zu WhatsApp beginnen bei den quasi identischen Empfangsbestätigungen. Das doppelte Häkchen bedeutet hier jedoch, dass die Nachricht gelesen wurde. Eine weitere Ähnlichkeit zwischen Telegram und WhatsApp ist das automatische Herunterladen von Dateien. Dieses kann man allerdings deaktivieren.

Telegram Secret Chat

Die sicheren Chats von Telegram sind zwar optional, haben aber bisher Angriffen von Hackern standgehalten. Zudem verfügt Telegram über selbst zerstörende Nachrichten und ist damit die einzige App, die beide Funktionen miteinander kombiniert. Alle Benachrichtigungen lassen sich personalisieren und deaktivieren.

Telegram Einstellungen

Derzeit kann man bei Telegram weder Status noch die letzte Online-Verbindung oder persönliche Angaben verbergen. Die Macher kündigten aber bereits an, dass diese Funktionen in Zukunft kommen sollen. Ebenso wenig ist der Zugriff auf die App beschränkt. Wie bei WhatsApp ist der Telegram-Account an die Telefonnummer gekoppelt.

BlackBerry-Messenger: Schützt die eigene Privatsphäre

BlackBerry Messenger (BBM) ist die erneuerte Version der klassischen App. Hinsichtlich des Datenschutzes hat der BBM durchaus wertvolle Eigenschaften aufzuweisen. So verfügt die App über ein fortschrittliches Bestätigungssystem, das anzeigt, ob die Nachricht erfolgreich versendet (ein Häkchen), überbracht (ein weißes D auf blauem Grund) oder gelesen wurde (ein weißes R auf grünem Grund).

BBM Nachrichten

Symbole von BBM für eine überbrachte (D) und gelesene (R) Nachricht.

Ein BBM-Account ist unabhängig von persönlichen Daten wie zum Beispiel der Telefonnummer. Jedes Konto hat eine eigene BlackBerry-ID. Der Vorteil liegt darin, dass man weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse angeben muss, da alles über PIN-Codes läuft. Daher hat die App auch keine Filter für Unbekannte.

BBM Einstellungen

BBM verfügt nicht über sichere Chats oder Nachrichten, die sich selbst zerstören. Die verfügbare Information weist darauf hin, dass BBM in dieser Hinsicht etwa so sicher wie WhatsApp ist. Auch ein Zugriffsschutz fehlt, man kann jedoch hierzu Hilfsanwendungen wie Lock (Android) oder Chat Lock (BB) verwenden.

BBM Einstellungen

Abschließend lässt sich noch anmerken, dass man bei BBM zwar nicht das Herunterladen von Dateien abstellen kann, aber standardmäßig die Chat-Register gelöscht und die Downloads nur als Vorschauen heruntergeladen werden. Benachrichtigungen können bei BBM personalisiert oder ganz verborgen werden.

Threema: Vorbild in Sachen Sicherheit

Threema ist eine kostenpflichtige App, bei der Sicherheit an erster Stelle kommt. Unter den Chat-Apps bietet Threema höchste Sicherheitsvorkehrungen neben einer benutzerfreundlichen Oberfläche und zusätzlichen Funktionen.

Threema Privatsphäre

In Threema kann man sich „unsichtbar“ machen. Es wird weder übermittelt, ob man eine Nachricht gelesen hat, noch dass man gerade eine schreibt.

Bei Threema sind alle Chats sicher. Aber das ist noch nicht alles: Auch die Sicherheitskopie der Chats wird verschlüsselt und als passwortgeschützte ZIP-Datei gespeichert. Die Verknüpfung mit der eigenen Telefonnummer oder E-Mail-Adresse ist optional, da die ID von beiden Daten unabhängig ist. Zum leichteren Finden von Kontakten kann man diese aber auch hinzufügen.

Threema Key

Threema schützt alle Daten mit einem Hauptschlüssel.

Threema ist die einzige App in diesem Vergleich, die über eine PIN-Nummer extra geschützt werden kann und sich mit dieser Funktion den ersten Platz sichert. Zudem kann man in Threema verbergen, dass man gerade etwas schreibt. Auch das können die anderen Apps nicht.

Threema PIN

Der Zugriff auf Threema kann durch eine PIN-Nummer geschützt werden

Die Benachrichtigungen können in Threema verändert oder sogar – wenn auch nicht ganz, so zumindest teilweise – verborgen sowie die Vorschau deaktiviert werden. Auf der anderen Seite kann man bei Threema jedoch weder das eigene Foto noch den Nutzernamen verstecken. Abschließend hat Threema eine Option zum Blockieren von unbekannten Nutzern, die man nicht in der Kontaktliste hat.

Das Ergebnis in der Grafik

Sicherheit Chats InfografikInfografik herunterladen

Fazit: Jeder kann die Sicherheit wählen, die am besten passt

Unter den getesteten Apps sticht lediglich Threema heraus. Die anderen Chat-Programme zeigen, was Datenschutz bei Nachrichten anbetrifft, deutliche Mängel. WhatsApp ist zwar die beliebteste App, aber auch unsicherste. Telegram hat sichere Chats, diese sind aber optional. Snapchat hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen.

Ob die Wahl auf die ein oder andere App fällt, hängt vor allem von den eigenen Sicherheits-Ansprüchen ab. Für wen die Kontrolle der eigenen Privatsphäre entscheidend ist, ist BBM oder Threema die richtige Wahl. Wer auf der anderen Seite populärere Apps sucht, kann Telegram oder Snapchat wählen. Diese sind für den täglichen Gebrauch durchaus akzeptabel, haben aber ihre Sicherheitslücken.

Schlussendlich sollte man sich überlegen, was man über das Telefon besprechen will und wie hoch dazu der Grad an Sicherheit sein muss. Für Konversationen unter Freunden bieten Snapchat und Telegram sicher genug Schutz. Für die geschäftliche Kommunikation sollte man doch BBM oder Threema den Vorzug geben.

Bei welcher Messaging-App fühlen Sie sich am sichersten?

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