“Ich versuche, meine Privatsphäre im Internet zu wahren” – Antiviren-Experte Mikko Hypponen im Interview

“Ich versuche, meine Privatsphäre im Internet zu wahren” – Antiviren-Experte Mikko Hypponen im Interview

Mikko Hypponen ist Chief Research Officer und oberster Virenjäger beim finnischen Antiviren-Anbieter F-Secure. Er gilt als einer der führenden Internet-Sicherheitsexperten weltweit und tritt des öfteren auch als Redner beim renommierten TED Talk auf. Wir haben Hypponen auf dem Next14-Kongress in Berlin zum Interview getroffen und ihn zu Googles Sammelwut, Privatsphäre und das Internet nach der NSA-Affäre befragt.

Softonic: Herr Hypponen, eine einfache Frage – benutzen Sie Google?

Mikko Hypponen: Ja, das tue ich. Es ist sehr schwierig, Google Dienste zu vermeiden. Ich würde ja gerne, aber wie zum Teufel soll man das anstellen? Auch wenn ich Alternativen zu Google Maps und Gmail fände – wie soll ich die Suchmaschine ersetzen?

Es geht auch nicht ohne YouTube, weil sowieso nahezu alle Videos bei YouTube veröffentlicht sind. Selbst wenn ich alle diese Dienste vermeiden würde: An Google Analytics und Anzeigenbannern von Google komme ich nicht vorbei – und die zeichnen meine Spuren auch überall im Internet auf.

Es ist eine einfache Rechnung: Wie viel Geld verdient Google mit mir? Teilt man den Profit von Google durch die Nutzerzahl – 17 Milliarden Dollar geteilt durch eine Milliarde Nutzer – kommt man auf 17 Dollar, die Google an jedem Nutzer verdient. Obwohl ich lieber für die Dienste bezahlen würde, gibt mir Google diese Option erst gar nicht. Ich bin mehr wert, wenn ich mit meinen Daten statt mit Geld bezahle.

Das war übrigens keine einfache Frage.

Sie sagen, Google, Yahoo oder ähnliche Dienste kennen uns besser als unsere eigenen Familien. Was kann ich als User dagegen machen?

Sie können das Google Cookie im Browser löschen. Sie können diese Dienste nutzen, ohne sich anzumelden, ohne Login. Denn nur über den Login verknüpft Google Ihre Profile auf Ihrem Computer, Tablet und Handy. Und verwandelt Ihre Daten in Geld. Sich nicht einzuloggen, löst aber das grundsätzliche Problem natürlich nicht.

In Sozialen Netzwerken sind Sie nur auf Twitter unterwegs. Warum?

Twitter ist komplett offen, da gibt es für mich nichts Privates oder Dinge, die man verbergen müsste. Ich bin nicht gegen Social Media. Leute fragen mich, warum ich nicht auf LinkedIn oder Facebook bin. Ich versuche, meine Privatsphäre zu wahren. Wenn man Facebook ganz normal nutzt, hat man keine Chance, sein Leben privat zu halten.

Der einfachste Weg ist also, Facebook fern zu bleiben, auch wenn es manchmal weh tut. Da ich nicht auf Facebook bin, habe ich keine Ahnung, welcher meiner Freunde sich gerade scheiden lässt, heiratet, Kinder bekommen hat oder wann die nächste Party stattfindet. Alle wissen Bescheid. Außer mir – ich bin ja nicht bei Facebook.

NSA, der Heartbleed bug, und die nächste schlechte Nachricht kommt bestimmt: Internetnutzer sind verunsichert, man weiß nicht mehr wirklich, was sich gerade im Netz abspielt. Was kann ich als normaler Nutzer tun, um mich im Web besser zu schützen?

Einfache Dinge, wie Passwort-Kultur. Schlechte oder oft mehrfach verwendete Passwörter machen es nicht nur für Überwacher leichter, sondern können viele Probleme verursachen. Nutzen Sie Passwort-Manager.

Machen Sie Backups. Unfälle können jedem passieren. Wenn Ihr Haus abbrennt, haben Sie ein Backup, um die Bilder Ihrer Kinder wiederherzustellen.

Wer online geht, sollte die Software Tor benutzen. Und zwar nicht nur, wenn man etwas zu verbergen hat, sondern immer. Ich empfehle auch, VPN-Verbindungen zu nutzen. Tor ermöglicht Anonymität. VPNs verschlüsseln die Daten.

Ganz allgemein: Verschlüsselung funktioniert. Das ist ein Zitat von Edward Snowden. Verschlüsseln Sie Ihre E-Mails, Ihre Daten, bevor Sie diese in der Cloud speichern. Verschlüsselung funktioniert.

Sie und Ihr Unternehmen F-Secure bekämpfen die immer professionellere Viren-Industrie schon seit Jahren. Ist dieser Kampf nicht verloren?

Nein, auf keinen Fall. Wer Viren schreibt, macht dies, weil er sind nicht allzu viele andere Optionen hat. Viele dieser Kriminellen kommen aus armen Ländern und das ist kein Zufall.
Aber es nicht nicht einfach, ein Online-Krimineller zu sein. Du musst unerkannt bleiben, was sehr schwierig ist. Nur ein kleiner Fehler und du wirst meistens erwischt.

Dieser Kampf ist nicht verloren. Es ist schwierig, ständig sichtbare Erfolge vorzuweisen. Aber wir erwischen mehr Cyber-Kriminelle als jemals zuvor. Wir geben auf keinen Fall auf.

Malware verbreitet sich gerade auf mobilen Plattformen wie Android. Wie schütze ich mich als Android-Nutzer am besten davor?

Das Risiko bei Android liegt darin, dass man sich bei Google Play oder anderen App-Stores ein Programm installiert, von dem man meint, es sei Angry Birds oder Boom Beach. Das Spiel sieht aus wie das echte Game, aber es ist nicht das Original. Das bekommt man erst mit, wenn man seine nächste Telefonrechnung bekommt und feststellt, dass die App teure Telefonanrufe getätigt hat. Das ist das Problem bei Android. Pass auf, was du installierst.

Edward Snowden sagte, seine größte Angst sei, dass sich nach den NSA-Enthüllungen nichts ändern würde. Haben Sie in den vergangenen Monaten Veränderungen bemerkt?

Ja, ich sehe, dass sich etwas ändert, ich habe Hoffnung. Es ist keine drastische Veränderung, von heute auf morgen, wie man es vielleicht erwartet hättet. Aber ich sehe, dass die Menschen aufwachen, ich sehe Leute, die nachdenken und Fragen stellen.

Man hat natürlich zunächst dieses Gefühl der Hilfslosigkeit, als ob man nichts machen könnte. Wenn ich über diese Themen rede, betone ich immer, dass man etwas machen kann. Apathisch herumzusitzen wird auf jeden Fall nichts ändern. Man sollte nicht verängstigt sein, man sollte wütend sein. Ich habe Hoffnung.

Herr Hypponen, danke für das Interview.

Dem Autor Wolfgang Harbauer auf Twitter folgen.

Bildquelle: Mikko Hypponen


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