“Windows 8 ist mehr als die neue Metro-Oberfläche”

“Windows 8 ist mehr als die neue Metro-Oberfläche”

Als Developer Evangelist bei Microsoft bringt Gunter Logemann Windows 8 Entwicklern nahe. Er blickt in seiner Laufbahn auf eine 20-jährige Erfahrung in der Windows-Entwicklung zurück. Bis vor kurzem hat er in der Windows-Gruppe an Windows 8 mitgearbeitet. Wir befragen Gunter Logemann auf der CeBIT in einem zweiteiligen Interview zu Windows 8 und der Bewegungssteuerung Kinect.

OnSoftware: Windows 7 bewährt sich als robustes, zuverlässiges Betriebssystem. Was macht Windows 8 besser?

Gunter Logemann: Windows 8 ist nicht nur Metro-Oberfläche. Wir haben sehr viel am Kernel renoviert. Die ganze Security ist verbessert worden, etwa mit UEFI Boot. Es wurde auch sehr viel Zeit investiert, um alten Ballast abzuwerfen. Die Bootzeiten sind verbessert worden…

OnSoftware: Wie lange braucht man zum Booten?

Gunter Logemann: Wir sagen gut unter zehn Sekunden. Das ist die Zeit vom Einschalten bis zum Arbeiten.

OnSoftware: Die Kompatibilität zu früheren Windows-Versionen ist gewahrt?

Gunter Logemann: Die Kompatibilität ist voll gegeben. Alle Applikationen, die auf Windows 7 laufen, laufen auch auf Windows 8 im Desktop-Modus.

OnSoftware: Die Vorschau auf Windows 8 steht zum Ausprobieren bereit. Man sieht daran, dass die neue Metro-Oberfläche nur auf einem Tablet so richtig Spaß macht. Worauf muss ich achten, wenn ich mir heute ein Tablet kaufe und es später mit Windows 8 nutzen möchte?

Gunter Logemann: Es sollte die Auflösung von 1366×768 haben. Das ist die Auflösung, mit der alle Modi funktionieren.

OnSoftware: Was für einen stationären Rechner benötigt man für Windows 8? Sind PCs mit Windows 7 automatisch für Windows 8 geeignet?

Gunter Logemann: Ja. Auch Rechner, die kein UEFI-Bios haben, können Windows 8 laufen lassen. Wir haben eine totale Rückwärtskompatibiltät zu Windows 7. Es ist so: Wir haben im Prinzip Windows 7 genommen und nochmal besser gemacht. Es kommt immer so rüber, als sei Windows 8 Metro und das war‘s…

OnSoftware: Dann verraten Sie uns, warum ich Windows 8 installieren soll, wenn ich an Metro kein Interesse habe?

Gunter Logemann: Neben den bereits erwähnten Sicherheitsfeatures haben wir auch die Dialoge wie den Fortschrittsbalken verbessert.

OnSoftware: Wann wird der Store für Metro-Apps vollständig starten?

Gunter Logemann: Zum genauen Termin kann ich nichts sagen. Im Rahmen der CeBIT haben wir begonnen, mit Entwicklern zu reden. Nach der CeBIT wird es zusätzliche Workshops geben, wo Entwickler mit uns in Kontakt treten können, um ihre Applikationen zu entwickeln.

OnSoftware: Wird es von Microsoft eigene Apps wie ein Metro-Office geben?

Gunter Logemann: Das sind alles ziemlich ungeplante Dinge. Im Moment fokussieren wir uns auf die Entwickler.

OnSoftware: Wie sieht eine solche Unterstützung für einen Entwicklern aus?

Gunter Logemann: Wir sprechen mit Entwicklern wie hier auf der CeBIT. Zusätzlich haben wir Developer-Treffen, Tech Talks in unterschiedlichen Bereichen über unterschiedlichste Themen vom Kernel-Treiber bis zur Applikations-Entwicklung in JavaScript. Wir machen die Entwickler mit den neuen Funktionen (von Windows 8) vertraut, damit sie wissen, wie man eine Applikation designt.

OnSoftware: Wird es eine Möglichkeit geben, den Metro-Store mit dem Webbrowser zu durchsuchen?

Gunter Logemann: Das ist ehrlich gesagt noch gar nicht klar.

OnSoftware: Können Sie uns einige Top-Programme aus der Startphase des Metro-App-Stores nennen?

Gunter Logemann: Wir arbeiten mit allen großen Namen zusammen. Konkreter möchte ich jetzt gar nicht werden. Wenn man die Beta startet, sieht man aber bereits die ersten Applikationen im deutschen Store.

OnSoftware: Unterscheiden sich die Stores einzelner Länder stark voneinander?

Gunter Logemann: Es gibt schon deutliche Qualitätsunterschiede. Auch inhaltliche Unterschiede. Ich glaube aber, dass der deutsche Shop mit sehr guten Applikationen bestückt ist, Cut the Rope zum Beispiel.

OnSoftware: Laufen Apps vom Windows Phone auch auf Windows 8?

Gunter Logemann: Im Moment haben wir zwar keine direkte Kompatibilität, aber eine Know-How-Kompatibilität zwischen den beiden Plattformen. Das heißt: Vieles, was mit Windows Phone lauffähig ist, kann man mit sehr wenig Aufwand in die Metro-Oberfläche übersetzen.

OnSoftware: Das geht nicht automatisch?

Gunter Logemann: Nein, das würde auch nur bedingt Sinn machen, weil die Applikationen auf andere Formfaktoren reagieren müssen.

Windows 8 ist wie ein Sprung von Windows 3.11 auf Windows 95

OnSoftware: Wird Metro die Benutzung von Computern ändern?

Gunter Logemann: Auf jeden Fall. Für mich ist Windows 8 einer der Wechsel, der vergleichbar ist mit einem Wechsel von 3.11 auf Windows 95. Es geht eigentlich sogar weiter, denn damals gab es noch immer das Windows-Konzept. Jetzt ist zusätzlich das ganze Benutzerinterface neu. Ich glaube, dass für bestimmte Anwendungen die Metro-Oberfläche einfach ideal ist. Man merkt es, wenn man mit Freunden über Handys spricht und sieht, dass das Bedienkonzept super ankommt. Das Gleiche erwarten wir von Windows 8 auch. Deshalb glaube ich, dass sich immer mehr Anwendungen in dem Metro-Bereich bewegen werden und man unter Umständen gar keinen richtigen Desktop mehr sieht. Auf der anderen Seite wird es immer Desktop-Applikationen geben.

OnSoftware: Ist der Desktop tot?

Gunter Logemann: Nein, natürlich nicht! Ich glaube, der Desktop wird immer parallel existieren. Der Desktop-Modus ist einfach ein Modus, der für bestimmte Anwendungen sinnvoll ist. Der hat sich bewährt, die Leute kennen sich damit aus. Immerhin hat sich das Windows-Konzept 20 Jahre gehalten. Das kann nicht so schlecht sein.

Zum zweiten Teil des Interviews: “Kinect für Windows eignet sich auch für kleinere Räume”

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