WhatsApp-Übernahme durch Facebook: Was bedeutet das für mich?

WhatsApp-Übernahme durch Facebook: Was bedeutet das für mich?

Facebook kauft WhatsApp für rund 16 Milliarden Dollar. Was bedeutet die von beiden Seiten bestätigte Übernahme für Nutzer von Facebook und WhatsApp? Unser amerikanischer Kollege Christopher Park hat sich Gedanken gemacht wie die rosige oder schwarze Zukunft für WhatsApp nach der Übernahme aussehen könnte:

Im besten Fall: Eigenständige Apps und Erfahrungsaustausch

Im bestmöglichen Fall lässt Facebook WhatsApp als eigenständige App weiterlaufen. Die interne Konkurrenz Facebook Messenger hat einen anderen Ansatz: Dieser Service funktioniert aus Facebook heraus, während für WhatsApp eine Handynummer erforderlich ist.

WhatsApp CEO Jan Koum gab bekannt: “Das wird sich für Euch, unsere Nutzer ändern: nichts.”

whatsapp

Wie sehr man sich auf diese Versprechen verlassen kann, ist fraglich. Denn auch wenn sich jetzt nichts ändert, kann das in der Zukunft sehr wohl der Fall sein.

Facebook wäre allerdings gut beraten, WhatsApp mit dem aktuellen Service eigenständig bestehen zu lassen und die App gleichzeitig mit Hilfe der Entwickler-Teams von Facebook zu verbessern. Das wäre dasselbe Konzept wie bei Instagram, dem letzten großen Facebook-Einkauf.

Alternativ könnten die WhatsApp-Entwickler zur Verbesserung der Facebook-Messenger-App für Android und iOS beitragen. Obwohl der Messenger viele Funktionen wie etwa Anrufe bietet, nutzen iPhone-Besitzer wohl eher FaceTime oder Apple Messages. Facebook Messenger ist eine gute Lösung, um mit Freunden weltweit zu kommunizieren. Unter den zahlreichen  Messenger-Konkurrenten ist der Facebook Messenger für viele allerdings nicht erste Wahl.

Das passiert im besten Fall: WhatsApp bleibt wie Instagram eine eigenständige App innerhalb des Facebook-Imperiums. Gleichzeitig profitiert der Facebook Messenger von den Erfahrungen der WhatsApp-Entwickler. Blickt man auf die Entwicklung von Instagram nach der Übernahme durch Facebook zurück, ist dieses Szenario sehr wahrscheinlich.

Im schlechtesten Fall: Ein Facebook-WhatsApp-Zwitter

Der schlimmste anzunehmende Fall wäre die Auflösung von WhatsApp und die Integration des Entwickler-Teams in andere Facebook-Projekte wie Messenger. Vor der Aussage Koums, dass sich für WhatsApp-Nutzer nichts ändern wird, ist dieses Szenario aber wohl unwahrscheinlich.

Eine andere Möglichkeit wäre die schrittweise Zusammenführung von WhatsApp und Facebook Messenger zu einer einzigen Facebook/WhatsApp-Software. Diese Lösung würde Facebook erlauben, die beiden Nutzergruppen zusammenzuführen. Es würde Facebook nicht viel kosten, seinen Nutzern das Hinzufügen individueller WhatsApp-Informationen zu erlauben.

Falls sich Facebook schließlich zu einem Zusammenschluss der beiden Messenger-Apps entscheidet, könnte es zu Massenabmeldungen bei WhatsApp kommen. Der Facebook Messenger wäre davon nicht betroffen, da der Chat-Dienst innerhalb der Facebook-Apps verfügbar ist.

Das passiert im schlechtesten Fall: WhatsApp und Facebook Messenger werden vereint und die WhatsApp-Nutzer sehen die Zeit gekommen, sich von dem Dienst zu verabschieden und sich für eine Alternative zu entscheiden.

Werden meine Freunde WhatsApp nun verlassen?

Einzelberichten aus unserem Team und Twitter zufolge, melden sich bereits einige Nutzer von WhatsApp ab. Wie viele dem Dienst am Ende tatsächlich den Rücken kehren, wird wohl von der endgültigen Art der Übernahme abhängen. Dies ist momentan das größte Risiko für Facebook.

Fangen die Leute an, ein soziales Netzwerk oder eine App zu verlassen, können die Abmeldung schnell exponentiell in die Höhe schießen. So wie es momentan aussieht, ist WhatsApp allerdings viel zu beliebt, als dass der Einstieg von Facebook den Untergang bedeuten könnte.

Facebook Messenger and WhatsApp combined

Eine Kombination aus Facebook/WhatsApp wäre die schlechteste  Lösung.

Darum will Facebook WhatsApp wirklich haben

Ich persönlich nutze verschiedene Nachrichten-Apps, um mit meinen Freunden in den USA und vielen Menschen in Süd-Korea zu kommunizieren. Facebook versucht meiner Meinung nach mit der Übernahme, direkten Zugang zu den WhatsApp-Nutzern in Europa zu bekommen, wo die App extrem beliebt ist.

Ein großer Vorteil von WhatsApp ist, dass man einfach und günstig zwischen Handynutzern unterschiedlicher Länder kommunizieren kann. Meine Kollegen von Softonic in Barcelona kommen aus ganz Europa, sie sind praktisch alle bei WhatsApp.

In den USA hingegen nutzt niemand WhatsApp, um mit Freunden innerhalb des Landes zu kommunizieren. Auch ich persönlich nutze WhatsApp ausschließlich für Nachrichten an Freunde und Kollegen in Europa. Das ist es, was Facebook interessiert.

Die Daten europäischer WhatsApp-Nutzer bergen für Facebook ein großes Potential. Gleichzeitig beschert der Jahresbeitrag von 0,89 Euro für die Nutzung von WhastApp nach dem ersten Jahr Facebook ein nettes zusätzliches Einkommen.

Die Übernahme von WhatsApp durch Facebook ist strategisch. Auf den ersten Blick scheinen der Kauf und die immense Summe vielleicht seltsam. Betrachtet man aber die Daten und die schiere Menge an Nutzern, auf die Facebook nun Zugriff hat, ist die Strategie zukunftsorientiert.

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