Virenschutz für Handys: “Die größte Bedrohung ist der physikalische Verlust”

Virenschutz auf dem Handy? Braucht man das überhaupt? Sergey Nevstruev würde diese Frage von Berufs wegen natürlich mit “Ja” beantworten. Nevstruev ist Vizepräsident der Abteilung Mobile Solutions des russischen Antiviren-Spezialisten Kaspersky. Auf der Mobilfunkmesse GSMA Mobile World Congress in Barcelona präsentierte Nevstruev Einzelheiten zu der Antiviren-Software Kaspersky Mobile Security. OnSoftware hat den Kaspersky-Manager zu den Details der neuen Software befragt.

OnSoftware: Herr Nevstruev, Sie haben eine neue Version von Kaspersky Mobile Security für Windows Mobile und Symbian OS angekündigt. Was ist neu daran?

Sergey Nevstruev: Unser Produkt hat vier Hauptfunktionen: Antivirus, Firewall, Antispam und Antitheft. Besonders interessant ist die Antitheft-Funktion. Wenn Sie die Kaspersky-Software auf Ihrem Handy installiert haben und das Gerät verlieren, können Sie das Handy per SMS-Nachricht sperren oder private Daten löschen. Genauso können Sie eine SMS schicken und erhalten eine Nachricht mit den Koordinaten Ihres Handys sowie einen Link zu Google Maps mit der Position des Geräts.

Was ist, wenn das Handy gestohlen und die SIM-Karte ausgetauscht wird?

Nevstruev: Dann ist immer noch die Kaspersky-Software auf dem Handy installiert. Wenn jemand die SIM-Karte des Handys austauscht, schickt unsere Software eine SMS oder E-Mail an eine vordefinierte Nummer/Adresse mit der neuen Telefonnummer. Damit können Sie eine SMS an Ihr gestohlenes Handy schicken und das Gerät sperren, wiederfinden oder die dort gespeicherten Daten löschen.

Wie schützt Kaspersky sensible Daten?

Nevstruev: Bei der Konfiguration kann man bestimmte Ordner verschlüsseln. Obwohl wir die internen Verschlüsselungsmechanismen von Symbian OS und Windows Mobile dafür nutzen, reicht das im Normalfall aus. Wenn man die Daten starker schützen will, sollte man auf einen physischen Schutz zurückgreifen. Kaspersky Mobile Security sperrt das Handy außerdem nach einer bestimmten inaktiven Zeit und bietet so zusätzlichen Schutz.

Wie funktioniert die Antispam-Funktion von Kaspersky Mobile Security?

Nevstruev: Manche Leute nennen diese Funktion “Firewall für eingehende Anrufe”. Wenn Sie eine SMS oder einen Anruf einer unbekannten Nummer bekommen, geben wir Ihnen anschließend die Möglichkeit, diesen Kontakt auf eine so genannte Whitelist zu setzen oder dauerhaft zu sperren. Ein Anrufer mit Blacklist-Nummer kann Sie dann nicht mehr erreichen und bekommt immer nur ein Besetztzeichen. Das funktioniert genauso mit SMS-Nachrichten.

Sie decken Symbian OS- und Windows Mobile-Plattformen ab. Welches dieser zwei Systeme ist sicherer?

Nevstruev: Symbian OS scheint geschützter zu sein. Dies liegt an der Zertifizierung von Programmen, bevor Software installiert wird. Leider funktioniert das System nicht immer. Außerdem gibt es Java-Anwendungen ohne Zertifizierung. Auch wenn es schwer ist, eine Java-Anwendung zu schreiben, die sich selbst weiterverbreitet, ist es durchaus möglich, dass eine solche Malware beispielsweise automatisch teure Premium-SMS verschickt und so das Geld des Anwenders stiehlt.

Wie steht es um neue Systeme wie iPhone und Android?

Nevstruev: Apple hat ja auch das Zertifikatssystem. Alle Anwendungen werden durch den AppStore geprüft. Android ist bisher ziemlich sicher, es gibt nur ein Gerät und nur wenige Anwender. Diebe wollen Geld und sind faul: Deswegen attackieren sie populäre Plattformen mit vielen Nutzern und einer hohen Wahrscheinlichkeit, Geld zu verdienen.

Können Sie uns Zahlen zu der Viren-Bedrohung bei mobilen Geräten nennen?

Nevstruev: Wir kennen etwa 1.000 Viren und 700 Virenfamilien. Viele davon sind nur Kopien mit leicht veränderter Signatur. Das ist nicht das größte Problem. Anders als beim PC ist die größte Bedrohung der physikalische Verlust. Wie oft haben Sie schon einen Desktop-PC verloren? Deswegen brauchen mobile Geräte eine Diebstahlsicherung.

Wenn jemand, der überhaupt keine Ahnung hat, Sie fragen würde, warum er denn Kaspersky Mobile Security bräuchte, wenn es doch gar keine ernst zu nehmende Virenbedrohung gibt: Was würden Sie dieser Person antworten?

Nevstruev: Naja, um es nochmal zu sagen: Sie können mit der Software Ihr verlorenes oder gestohlenes Handy wiederfinden und Ihre Daten mit Verschlüsselung oder Fern-Sperrung schützen. Sie verschwenden keine Zeit mit Spam-SMS und unerwünschten Telemarketing-Anrufen. Sie werden kein Geld verlieren, weil jemand auf Ihre Kosten nach Bangkok telefoniert oder mit Ihrem Handy Premium-SMS versendet.

Das Gespräch führten Alessandro Licitra und Piotr Wrzosinski.

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