Testbericht: The Last of Us

Testbericht: The Last of Us

In dem Actionspiel The Last of Us ist eine Zombieplage ausgebrochen und sorgt für Angst und Schrecken. Im Stil eines Roadmovies muss sich der Spieler irgendwie durchschlagen und das kleine Mädchen Ellie beschützen. Es entwickelt sich ein turbulentes Katz- und Maus-Spiel vor grandioser Kulisse, gespickt mit einer emotional erzählten Hintergrundgeschichte.

The Last of Us

Die Zombies sind los! Mal wieder. Kaum ein Spiel kommt noch ohne sie aus. Doch The Last of Us ist anders: Zusammen mit Hauptfigur Joel erlebt man den Ausbruch der Plage. Man sieht allerdings keinen Übermenschen, der sich mit aller Gewalt den anstürmenden Horden entgegen stellt.

Von Zombies und Gangstern

Auch 20 Jahre nach dem Ausbruch ändert sich daran wenig. Joel schlägt sich einfach irgendwie durch, ist ein Überlebenskämpfer, kein militärisch gedrillter Held. The Last of Us ist kein Zombie-Metzelspiel. Im Mittelpunkt stehen die verfeindeten Parteien Fireflies und Hunter.

The Last of Us: Clicker

Beide Lager haben das Recht in die eigene Hand genommen und verfolgen unterschiedliche Ziele. Während die Fireflies an eine Heilung der Zombie-Plage glauben, machen die Hunter einfach nur ihr Ding und plündern, was das Zeug hält. Joel hat eigentlich mit beiden wenig zu schaffen. Das ändert sich, als ein Waffendeal platzt und Joel die 14-jährige Ellie eskortieren muss, um seine Lieferung zu erhalten.

Letztlich ist der Weg das Ziel von The Last of Us: Wie in einem Roadmovie muss man im Verlauf der Handlung wechselnde Ziele erreichen. Meist ist man zu Fuß unterwegs, unterbrochen von einigen Ausflügen im Auto oder mit dem Pferd. Den Weg zum Ziel unterbrechen Gegner und einige lösbare Rätsel. Kommt man nicht auf die Lösung, unterstützt The Last of Us den Spieler mit auf Wunsch auch abschaltbaren Hinweisen.

Ellie: Tapferes Mädchen mit Köpfchen

Ellie steht dem Spieler ähnlich wie Elizabeth in Bioshock Infinite als Side-Kick bei: Sie gibt Tipps, wenn sich ein Feind von hinten nähert, wirft mit Steinen auf Gegner, sticht ihnen mit ihrem Messer in die Wade oder greift im späteren Verlauf von The Last of Us auch mal selbst zur Waffe. Mit fortschreitender Handlung wird das Verhältnis von Joel und Ellie vertrauter – auch wenn sich der Griesgram lange dagegen wehrt. Das sorgt für einen emotionalen Spannungsbogen, der durch das gesamte Spiel trägt.

The Last of Us: Ellie

Der Spieler entscheidet zwischen Action und Hinterhalt

Auf intelligente Weise verbindet The Last of Us Action- und Schleicheinlagen. Der Spieler ist stets gehalten, die Situation einzuschätzen und seine Taktik anzupassen. Trifft man auf Clicker, muss man sich so still wie möglich verhalten. Die kräftigen Zombies sind zwar fast blind, hören aber umso besser und können den Spieler mit einem einzigen Biss töten. Andere Zombies haben sehr gute Augen und stürmen geschwind auf Joel zu. Menschliche Gegner patroillieren systematisch ihr Gebiet und stimmen ihr Vorgehen mit Kommandos ab.

Eine wichtige Hilfe im Kampf ist der Lauschmodus. Aktiviert man ihn mit R2, hebt das Spiel Geräuschquellen hervor – perfekt, um Feinde aufzuspüren. Das System ähnelt dem Detektiv-Modus in Batman Arkham Asylum.

Aus dem Verborgenen greift man Feinde von hinten an und schaltet sie lautlos aus. Wird man dabei entdeckt, kann man einem heraneilenden Feind eine Flasche oder einen Stein an den Kopf werfen. Der so betäubte Gegner ist ein leichtes Ziel. Ebenfalls sehr wirksam sind explosive Molotov-Cocktails oder Nagelgranaten.

Im Notfall helfen nur dicke Wummen!

Im Verlauf von The Las of Us liest Joel verschiedene Waffen auf. Zur schlichten Pistole gesellt sich ein Revolver, der in der El Diablo genannten Variante zusätzlich über ein Zielfernrohr verfügt. Mit der Schrotpistole Shorty wehrt man besonders effektiv Feinde aus naher Distanz ab.

Hinzu kommen die in Actionspielen fast unverzichtbaren Gewehre und Schrotflinten. Gegen Zombies auch sehr wirkungsvoll ist der Flammenwerfer. Oder man erledigt Feinde mit dem Bogen aus dem Hinterhalt. Die nötige Munition ist rar. Mitunter droppen Feinde ein paar Kugeln, aber Sparsamkeit ist eine wichtige Tugend in The Last of Us.

The Last of Us: Shotgun

Nahkampfwaffen wie Messer, Stöcke, Äxte oder Macheten eignen sich gut gegen einzeln angreifende Gegner. Sie zerbrechen allerdings rasch, so dass man irgendwann Ersatz finden oder auf die blanken Fäuste zurückgreifen muss. Feinde kann man auch packen und als Deckung verwenden, um dann weitere Gegner zur beschießen.

Joel kann nur bis zu zwei Pistolen oder Gewehre in seinen Holstern unterbringen. Alle weiteren Waffen muss er umständlich aus dem Rucksack kramen. Das kostet Zeit und sollte bei der Vorbereitung auf einen Kampf berücksichtigt werden.

The Last of Us: Shotgun

Wie in dem Grusel-Shooter Dead Island verbessert man seine Feuerwaffen an Werkbänken, die man an verschiedenen Stellen in The Last of Us findet. Für Upgrades sammelt man Gegenstände ein. Ebenfalls verbesserbar sind Joels Attribute wie Gesundheit, Lauschvermögen oder die Zielgenauigkeit.

Erleidet der Spieler Verletzungen, muss er sich zurückziehen und seine Wunden in Ruhe verbinden. Eine automatische Regeneration erfolgt nicht, allerdings kann der Spieler Medikits mit gesammelten Gegenständen selbst herstellen.

Filmreife Schauplätze

Um alle Schauplätze von The Last of Us zu nennen, reicht mir der Platz nicht. Es ist eine schier unglaubliche Zahl an Orten, die allesamt dieselbe Liebe zum Detail erfahren haben: von Pflanzen überwucherte Hinterhöfe mit eingefallenen Gebäuden, Kellergewölbe mit rostigen Gittern und blechernen Treppen, Holzhäuser, Wälder, kleine Dörfer, abgelegene Weg und viele mehr.

Das Licht setzt jeden Ort gekonnt in Szene: morgens durchflutet ein fahles Blau die verschlafenen Gebäude, während die Abendsonne der Szenerie einen rötlichen Schimmer verpasst. Bei Tag sticht Sonnenlicht mit hübschen HDR-Effekten durch das Blätterwerk.

The Last of Us: Locations

Über jeden Zweifel erhaben sind auch die flüssigen Bewegungen der Spielfiguren. Für The Last of Us hat Hersteller Naughty Dogs die Körperhaltungen mit echten Schauspielern per Motion Capturing eingefangen, was für authentische Animationen sorgt.

Auch wenn eine Figur mal nichts zu tun hat, bleibt sie nicht einfach in der Gegend stehen. Ellie vertreibt sich die Zeit, indem sie mit ihrem Messer spielt, ein Lied pfeift, die Schuhe bindet, durch Plattenstapel blättert oder sich im Schneidersitz hinsetzt. Oder sie spielt mit einem anderen Jungen Darts oder Fußball. Derlei kleine Details geben den Spielfiguren Tiefe.

Ohrenschmaus

Akustisch hält sich The Last of Us zurück. Über sehr lange Spielabschnitte ist gar keine Musik zu hören, was wie bei dem Grusel-Urgestein Dead Space der packenden Atmosphäre zugute kommt. Dennoch ist der Gehörsinn bei The Last of Us wichtig: Soundeffekte weisen den Spieler etwa darauf hin, wenn er einem Feind zu nahe gekommen ist und gleich Entdeckung droht.

Auch die übrigen Soundeffekte sind von überragender Qualität: klirrendes Glas, brachial krachende Schüsse, knarrende Holztreppen oder das markante Geräusch herabfallender Stahlrohre gleichen in Realismus und Detailtreue einem Kinofilm.

Den Ohrenschmaus rundet eine hervorragende Synchronisation mit professionellen Sprechern ab. Das gilt auch für die deutschen Sprecher, die viel zur dichten Atmosphäre von The Last of Us beitragen. Für so ziemlich jedes System kann man Audio-Anpassungen vornehmen: Headsets, Stereo-Lautsprecher oder Surround-Systeme. Selbst die Dynamik lässt sich regulieren. Bei hoher Dynamik krachen Schüsse besonders eindrucksvoll aus den Lautsprechern, während der Midnight-Modus die Nerven der Nachbarn schont.

Eine bemerkenswerte Randnotiz: The Last of Us unterbrechen keine störenden Ladenbildschirme. Wie in der Uncharted-Reihe kann man The Last of Us theoretisch von Anfang bis Ende spielen, ohne dass einmal eine spürbare Ladeverzögerung eintritt – eine technische Meisterleistung.


Fazit: Technisch brilliantes Actionspektakel für Spieler mit Köpfchen

Kurz vor dem Generationswechsel zur Playstation 4 kitzelt The Last of Us bislang kaum entdecktes Potenzial aus der PS3 und liefert ein technisch beeindruckendes Meisterwerk ab. Ein nahtloser Wechsel von Videos und atemberaubender Spielgrafik dient keiner selbstverliebten Technik-Demonstration. Sie ist ein Mittel für die spannend erzählte, leicht melancholische Geschichte, die mich nicht mehr losgelassen hat. Die Handlung ist so fesselnd, dass ich mich an meinem einzigen Kritikpunkt, dem etwas linearen Spielverlauf, kaum störe.

Wer The Last of Us liegen lässt, hat etwas verpasst: Ein packendes, emotionales Spiel mit Hollywood-Qualität. Ein Spiel, das fordert, ohne zu überfordern und ein Spiel, das man einfach nicht beenden möchte.

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