DeepSeek plant eigenen Chip: weniger Abhängigkeit von Nvidia
Geplant ist ein Inferenz-Chip für trainierte Modelle unter Exportkontrollen

- 7. Juli 2026
- Aktualisiert: 7. Juli 2026 um 14:54

Das chinesische Start-up DeepSeek arbeitet nach Informationen von Reuters an einem eigenen Inferenz-Chip für bereits trainierte KI-Modelle. Dahinter steckt ein klarer Plan: weniger abhängig von Nvidia und Huawei werden und unter den Bedingungen der US-Exportkontrollen mehr Kontrolle über die eigene technische Grundlage bekommen.
Eigener Chip für die Inferenz
Wenn das klappt, wäre Deepseek nicht mehr nur auf eingekaufte Hardware angewiesen. Der Schritt hätte strategisches Gewicht. Bislang stützt sich das Unternehmen vor allem auf Nvidia, in kleinerem Umfang auch auf Huawei. Ein eigener Chip würde daran etwas ändern und Deepseek mehr Einfluss auf die eigene Technikbasis geben.
Gerade in China ist das heikel. US-Exportkontrollen machen den Zugang zu leistungsfähiger Rechenhardware seit geraumer Zeit deutlich schwerer.
Im Zentrum des Projekts steht nicht das Training neuer Modelle, sondern die sogenannte Inferenz. Gemeint ist der Teil, in dem ein bereits fertiges Modell Antworten erzeugt, Texte schreibt oder Anfragen verarbeitet.
Genau dort entstehen für Unternehmen wie Deepseek im täglichen Betrieb hohe Rechenkosten. Ein eigener Chip könnte die Kosten pro Anfrage drücken und die Systeme enger auf die eigene Software zuschneiden. Diese enge Abstimmung zwischen Hard- und Software zählt inzwischen als echter Wettbewerbsvorteil, besonders bei Diensten, die sehr viele Nutzeranfragen abwickeln müssen.
Exportkontrollen erhöhen den Druck
Der Vorstoß kommt in einem Moment, in dem chinesische Entwickler beim Einkauf von Hardware mit immer engeren Grenzen leben müssen. Berichten zufolge hatte Deepseek zuvor Nvidias H800-Chips im Einsatz.
Diese H800-Chips waren eigens für den chinesischen Markt entworfen worden. Später wurden aber auch sie von Washington erfasst und damit faktisch vom Markt abgeschnitten.
Der Druck, eigene Alternativen aufzubauen, wächst also. Ein selbst entwickelter Chip würde Deepseek nicht auf einen Schlag aus allen Abhängigkeiten lösen. Langfristig könnte er die Position des Unternehmens gegenüber ausländischen Lieferanten aber stärken.
Und der Plan zeigt noch etwas anderes: Selbst chinesische Anbieter wollen sich offenbar nicht ausschließlich auf heimische Partner verlassen. Reuters berichtet, dass unter anderem auch die Abhängigkeit von Huawei begrenzt werden soll.
Hohe Kosten und starke Konkurrenz
Noch ist das Projekt in einer frühen Phase. Reuters zufolge spricht Deepseek derzeit mit Chipdesign-Firmen, Auftragsfertigern und Zulieferern für Speicher.
Außerdem stellt das Unternehmen schon seit Längerem gezielt Ingenieure für die Chipentwicklung ein. Das spricht für konkrete Absichten, heißt aber noch lange nicht, dass bald ein serienreifes Produkt vorliegt.
Eigene Hochleistungschips zu bauen kostet viel Geld und dauert in der Regel Jahre. Dazu passen Medienberichte über eine angestrebte Finanzierungsrunde in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von mehr als 50 Milliarden US-Dollar.
Mit dem Vorhaben steht Deepseek nicht allein. Auch andere Entwickler großer Sprachmodelle arbeiten an eigener Hardware, um Leistung, Kosten und Verfügbarkeit stärker selbst in der Hand zu haben. In China verfolgen Alibaba und Baidu ähnliche Pläne.
Analysten weisen allerdings darauf hin, dass die Exportregeln nicht nur fertige Chips betreffen. Sie greifen auch bei fortschrittlicher Fertigung und bei schnellem Spezial-Speicher. Dadurch wird es deutlich schwerer, an das Niveau von Nvidia heranzukommen. Dazu kommt, dass Deepseek seine Modelle zuletzt auch für Huaweis Ascend-Chips optimiert hat.
Journalist, spezialisiert auf Technologie, Unterhaltung und Videospiele. Über das zu schreiben, was mich begeistert (Gadgets, Spiele und Filme), ermöglicht es mir, bei Verstand zu bleiben und mit einem Lächeln im Gesicht aufzuwachen, wenn der Wecker klingelt. PS: Das stimmt nicht 100% der Zeit.
Das Neueste von Chema Carvajal Sarabia
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