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Das verflixte Kleingedruckte im Web 2.0

Cristina Vidal

Veröffentlicht

Kleingedrucktes ist unangenehm. Und gehört sicherlich zu den Dingen, die die Mehrheit der Webnutzer gedankenlos wegklickt. In Zeiten sozialer Netzwerke und vernetzter Software kann allerdings nie genug davor gewarnt werden. Beliebt sind Klauseln, mit denen sich die Unternehmen weitgehende Rechte an Benutzerinhalten sichern. Rechte, die diese Firmen selbst Dritten nie gewähren würden.

Jüngstes Beispiel dieser Tage ist eine unglücklich formulierte Klausel der Geschäftsbedingungen in Adobes Photoshop Express. Dieser in die Kritik geratene Absatz sichert Adobe Rechte an in öffentlichen Bereichen eingestellten Benutzerbildern. Was ja jeder Nutzer macht, der seine besonders schönen Bilder mit anderen teilen will.

Kaum ist diese Klausel durch die Medien gegangen, rudert Adobe auch schon zurück, zumindest in der Öffentlichkeit. Da wird das Unternehmen mit dem Satz zitiert, sie würden doch so etwas “niemals” mit ihren Kunden tun. Verstehe ich. Ich würde ja auch “niemals” ein Foto aus dem Internet klauen, um damit eine Collage für einen Blogpost zu erstellen. Ich frage mich natürlich, wieso diese Formulierung dann trotzdem so da steht. Jemand hat diese Geschäftsbedingungen schließlich abgesegnet.

Was das Unternehmen also “niemals” täte: Beispielsweise ein veröffentlichtes, besonders geglücktes Baby-Bild eines Hobby-Fotografen in ein Werbeprospekt übernehmen, ohne dass der Urheber jemals die Erlaubnis dazu gegeben hätte. Natürlich auch ohne einen Pfennig dafür zu bekommen. Aber wenn Adobe es doch einmal täte, aus Versehen sozusagen, wäre der Fotograf aufgeschmissen. Weil es ja im Kleingedruckten stand.

Adobe ist natürlich kein Einzelfall, sondern nur ein weiteres Beispiel für eine zunehmende Tendenz, den Nutzer auszutricksen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Geschäftsidee des Web 2.0 darin besteht, die Internetuser umsonst für sich arbeiten zu lassen. Woher sollte der ganze Content für die Werbung sonst auch herkommen?

Vor einiger Zeit versuchte MySpace sich mit einer ähnlichen Klausel, den gesamten Inhalt aller MySpace-Seiten zur uneingeschränkten Nutzung zu sichern. Nach einem ähnlichen, öffentlichen Aufschrei schlug allerdings auch dieser Versuch fehl.

Die Datenkrake Google versucht so etwas auch immer mal wieder. Google Docs scannt nicht nur alles, sondern sichert sich auch einige Rechte an den mit Google Docs erstellten Dokumente. Sicher möchte aber auch Google “niemals” in die Urheberrechte der Nutzer eingreifen.

Oft ist wirklich Unachtsamkeit im Spiel: Wenn Apple zum Beispiel in seinen Lizenzbedingungen für die Windowsversion des Safari-Browsers die Nutzung Safaris auf Mac-fremden Systemen verbietet. Hier war das Kleingedruckte wohl selbst dem Apple-Lektor zu klein oder zu langweilig.

Beispiele dieser Art gibt es viele. Die Konsequenz ist klar: Wer Wert auf Datenschutz und privaten Urheberschutz legt, darf das Kleingedruckte des Web 2.0 nicht unterschätzen. Denn juristisch ist das Web für den Privatmann längst nicht mehr benutzerfreundlich.

Jetzt stellt sich die Frage, ob man als Nutzer dem Unternehmen seine Fotos anvertraut oder mit der Veröffentlichung von Bildern wartet, bis die entsprechende Klausel geändert wird. Zur Umfrage im Softonic-Forum geht es hier.

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