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Avira-Interview: “Virenschutz muss transparent für die Anwender sein”

Frank Martin Lauterwein

Veröffentlicht

Das schwäbische Unternehmen Avira spielt auf dem Markt für Antivirus- und Sicherheitssoftware seit Jahren eine wichtige Rolle. Bei Softonic ist die kostenlose Software Avira AntiVir Personal Free Antivirus stets unter den Top-Downloads vertreten. In Kürze erscheint die Software bereits in der zehnten Version. OnSoftware blickt im Gespräch mit Chief Technical Officer Stefan Schiffert auf der CeBIT hinter die Kulissen der erfolgreichen deutschen Softwareschmiede.

OnSoftware: Avira bietet neben dem kostenlosen Avira AntiVir Personal Free Antivirus eine Vielzahl weiterer, kostenpflichtiger Sicherheitslösungen an. Wie ist das Verhältnis zwischen Gratis- und Kaufsoftware?

Stefan Schiffert: Im kostenlosen Bereich haben wir rund 150 Millionen User weltweit. Weitere fünf bis sechs Millionen Anwender greifen auf unsere Premium-Versionen zurück. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie haben 27 Prozent der Menschen weltweit einen Internetanschluss. Trifft diese Quote zu, so ist auf jedem zehnten PC oder Laptop Avira AntiVir Personal installiert.

OnSoftware: Das Anbieten einer so weit verbreiteten Software ist mit nicht unerheblichen Kosten unter anderem für das Hosting und die regelmäßigen Updates der Virusdatenbanken verbunden. Trägt der Verkauf der Premium-Produkte diese Kosten denn?

Schiffert Auf alle Fälle. Dabei kommt uns der modulare Aufbau unserer Produkte entgegen. Wir verwenden in der kostenlosen Version Module, die auch in den Kaufversionen enthalten sind. Somit sind die Entwicklungskosten nicht besonders hoch. Aber klar, die Bereitstellung der Bandbreite für Updates oder neue Produkte wie die am 23. März erscheinende Version 10 unserer Software kostet natürlich eine Menge Geld. Wenn 150 Millionen mal 15 Megabyte heruntergeladen werden, so summiert sich das gewaltig.

OnSoftware: Bietet die kostenlose Version von Avira den selben Schutz wie die Premium-Variante?

Schiffert Was den reinen Virenschutz angeht: Ja, da bieten alle Produkte die selbe Sicherheit, da gibt es auch keinerlei Unterschiede in der Datenbank. Die Premium-Variante bringt jedoch zusätzliche Optionen wie beispielsweise einen Mailguard mit, der mit Viren verseuchte E-Mails direkt abfängt. Die kostenlose Variante löscht solche Schadsoftware selbstverständlich auch, aber erst wenn die betroffene Datei bereits auf der Festplatte gelandet ist.

OnSoftware: Anwender nutzen den Computer auf höchst unterschiedliche Art und Weise. E-Mails versenden, im Internet surfen oder Dateien aus P2P-Netzen laden. Wo drohen die größten Gefahren?

Schiffert Am weitesten verbreitet sind derzeit die so genannten Drive-By-Viren, die man sich beim Surfen im Internet einfängt. Diese Viren nutzen Sicherheitslücken im Betriebssystem oder im Internetbrowser aus. Oft bemerkt man gar nicht, dass man sich Schadsoftware eingefangen hat. Häufig schlummern diese Viren wochen- oder monatelang auf der Festplatte, bis sich der PC irgendwann mal komisch verhält. Da kann es dann schon zu spät sein und beispielsweise ein Keylogger hat längst alle Passwörter ausspioniert. Eine weitere Gefahr wurde uns durch Gespräche mit Kunden bewusst: Das ist die Verbreitung von Malware per E-Mails, die von Bekannten verschickt wurden. Und Bekannten vertraut man ja für gewöhnlich. Doch im Anhang droht das Unheil…

OnSoftware: Wie bleibt man als Antivirus-Spezialist immer auf dem neuesten Stand? Wie hält man die Datenbank aktuell?

Schiffert Wir nutzen verschiedene Quellen, von denen wir beständig Malware beziehen. So haben wir etwa ein weltweites Honeypot-Netzwerk mit über 1.000 Servern aufgebaut, das immerzu neue Viren auffängt. Darüber hinaus tauschen wir uns mit anderen Herstellern von Sicherheitssoftware regelmäßig aus. Und natürlich liefern uns die Anwender wertvolle Informationen. In der in Kürze erscheinenden Version 10 fällt es den Usern leicht, in der Quarantäne isolierte Dateien an uns zu schicken. Allein unsere Kunden schicken uns pro Tag 1.000 bis 1.500 verdächtige Dateien. Unverzichtbar ist natürlich auch eine gute Heuristik, die einerseits schützt und andererseits die Zahl von Fehlalarmen minimiert.

OnSoftware: Ein Kritikpunkt von einigen Softonic-Anwendern ist das sich öffnende Werbefenster der kostenlosen Avira-Version, das zum Kauf der Premium-Version animiert. Da gibt es ja verschiedene Tools die dies verhindern. Stört Sie das?

Schiffert (lacht) Klar stört uns das und wir schauen regelmäßig nach, ob sich in der Registry etwas geändert hat. Ist dies der Fall, so setzen wir wieder auf den Standardwert zurück.

OnSoftware: Nach der Installation schützt Avira vom Start weg vor Viren. Klickt man sich in die Optionen, erscheinen die Konfigurationsmöglichkeiten recht übersichtlich. Andere Produkte bieten da offensichtlich mehr. Fehlen bei Avira Funktionen, oder bieten Wettbewerber schlicht zu viel?

Schiffert Das ist bewusst so gemacht. Virenschutz muss transparent für die Anwender sein. Avira hat einen Mittelweg gewählt. Zunächst einmal ist unsere Software übersichtlich. Wer mehr Konfigurationsmöglichkeiten  benötigt, findet diese auch in dem Expertenmodus. Für den Normalanwender reichen die Standardeinstellungen absolut aus.

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