Nachrichten

Amazon streicht seit 2022 57.000 Bürojobs: Folgen bleiben

Verbleibende Teams klagen über mehr Druck und Kürzungsangst

Amazon streicht seit 2022 57.000 Bürojobs: Folgen bleiben

Chema Carvajal Sarabia

  • 12. Juli 2026
  • Aktualisiert: 12. Juli 2026 um 17:43
Amazon streicht seit 2022 57.000 Bürojobs: Folgen bleiben

Amazon hat seit 2022, folgt man den eigenen Angaben des Unternehmens und Einschätzungen aus der Branche, mehr als 57.000 Bürojobs gestrichen. Das sind rund 16 Prozent dieser Belegschaft. Für den US-Konzern ist das nach diesen Angaben der tiefste Einschnitt dieser Art in seiner Unternehmensgeschichte.

ChatGPT Herunterladen

Für die Menschen, die gehen mussten, und für die Teams, die geblieben sind, ist die Sache damit längst nicht vorbei. Viele Beschäftigte schildern nach Beobachtungen aus der Branche eine höhere Arbeitslast, eine schlechtere Work-Life-Balance und die ständige Sorge, dass noch mehr gekürzt wird.

57.000 Jobs in kurzer Zeit

Auffällig ist vor allem, wie schnell der Abbau lief. Nach einer größeren Runde mit rund 14.000 gestrichenen Stellen kam schon etwa drei Monate später die nächste, diesmal mit weiteren 16.000 Jobs. Es traf dabei nicht bloß Randbereiche. Betroffen waren unter anderem Amazon Web Services (AWS), Prime Video, das Retail-Geschäft sowie die HR-Einheit People Experience and Technology (PXT).

Zur selben Zeit stellt Amazon nach Beobachtungen aus der Branche in einigen strategisch wichtigen Bereichen weiter ein. Dieses Muster lässt sich derzeit auch bei anderen Tech-Konzernen sehen.

Härterer Arbeitsmarkt für Entlassene

Für viele frühere Amazon-Mitarbeiter kam der Jobverlust zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Zur gleichen Zeit strichen auch Meta, Microsoft, Cisco, Oracle und andere große Konzerne Stellen. Das hat nach Einschätzung von Branchenbeobachtern zu einem überfüllten Arbeitsmarkt geführt: viele hochqualifizierte Bewerber, deutlich weniger offene Jobs.

Früher dauerte die Suche nach einer neuen Stelle im Tech-Bereich oft ungefähr vier Monate. Inzwischen ziehen sich Bewerbungsprozesse nach Beobachtungen aus der Branche nicht selten über zwölf bis achtzehn Monate. Wer selbst betroffen ist, spürt das direkt: finanzielle Unsicherheit, dazu oft ein harter Bruch im bisherigen Karriereverlauf.

Mehr Arbeit für die Verbliebenen

Wer bei Amazon geblieben ist, hat damit nicht automatisch gewonnen. In vielen Teams wurden Aufgaben und Zuständigkeiten nach Berichten von Beschäftigten und Beobachtern aus der Branche nicht in dem Maß zurückgefahren wie die Personalkosten. Am Ende heißt das: mehr Meetings, mehr operative Verantwortung, weniger Puffer.

Mitarbeitende berichten außerdem von Burnout-Tendenzen, nachlassender Motivation und einem Klima, in dem viele permanent vorsichtig agieren. Wenn ganze Management-Ebenen ausgedünnt werden, können Entscheidungen zwar zum Teil schneller fallen. Im Alltag müssen dann aber weniger Leute mehr abstimmen und mehr koordinieren.

Offizielle Begründung und globale Folgen

Amazon erklärt diesen Kurs mit dem Wunsch nach weniger Bürokratie, flacheren Hierarchien und dem Ziel, wieder schneller wie ein Startup zu arbeiten. Analysten sehen darin nach Einschätzung von Branchenbeobachtern zugleich einen klaren Hebel bei den Kosten: Der Stellenabbau soll Schätzungen zufolge rund 6 Milliarden US-Dollar pro Jahr sparen und damit Spielraum für teure Zukunftsinvestitionen und Infrastruktur schaffen.

Im US-Techsektor wurden 2023 nach Beobachtungen aus der Branche insgesamt rund 140.000 Stellen gestrichen. Auch andere Konzerne haben Personal abgebaut und zugleich ihre Ausgaben in ausgewählten Wachstumsfeldern hochgefahren.

Die Folgen gehen außerdem weit über die USA hinaus. In Luxemburg fielen 370 Jobs weg. In Québec schloss Amazon sieben Lagerhäuser. Davon betroffen waren 1.900 Beschäftigte sowie 2.800 Auftragnehmer. In mehreren Ländern wird deshalb darüber diskutiert, wie weit Unternehmen bei technologisch begründeten Entlassungen gehen dürfen und ob die Politik an dieser Stelle stärker eingreifen sollte.

Chema Carvajal Sarabia

Journalist, spezialisiert auf Technologie, Unterhaltung und Videospiele. Über das zu schreiben, was mich begeistert (Gadgets, Spiele und Filme), ermöglicht es mir, bei Verstand zu bleiben und mit einem Lächeln im Gesicht aufzuwachen, wenn der Wecker klingelt. PS: Das stimmt nicht 100% der Zeit.

Editorialrichtlinien

Neueste Artikel

Nächster Artikel wird geladen

Bei Softonic angemeldet als